Mittwoch, 8. April 2026

Baustelle au revoir

 Heute kamen drei Dinge auf einmal auf uns zu:

1. Der erste Schultag nach den Osterferien

Wir haben uns alle gefreut, die Schulkinder auf dem Gelände erleben zu dürfen. In der Hinsicht ist es wirklich schade, dass auch in Haiti genau zu der Zeit Osterferien sind, sodass wir meistens nur ein paar wenige Schultage mit den Kindern gemeinsam auf dem Gelände haben. Dieses Jahr ist es sogar nur heute gewesen, da wir vor den Ferien nur den letzten Tag gemeinsam vor Ort waren.

Spannend zu beobachten ist der Fahnenappell am Morgen, bei dem die haitianische Nationalhymne gesungen wird, während die Flagge gehisst wird.


Es ist immer wieder schön zu sehen, wie wohl sich die Kinder auf dem Gelände fühlen und wie selbstverständlich sie darauf unterwegs sind. Es hält einem nochmal vor Augen, für wen wir das Ganze machen. Die Kinder waren sehr neugierig und offen uns gegenüber und freuen sich, uns zu sehen. Die Hemmschwelle ist schnell überwunden und die ersten Späße wurden über die Sprachbarriere hinweg gemacht.

2. Beton-Tag auf der Baustelle

Jedes Mal, wenn wir etwas Großes betonieren, ist es ein besonderer Tag. Heute ist es die Decke der Küche gewesen - verhältnismäßig eher ein kleineres Projekt. Ursprünglich wollten wir um 5 Uhr mit dem Betonieren anfangen, allerdings sind die Eisenarbeiten gestern Abend nicht fertig geworden. Davon haben wir uns jedoch nicht abhalten lassen. Heute früh wurde das letzte Eisen verrödelt und dann dementsprechend später betoniert. Gegen 14 Uhr waren die Arbeiten dann abgeschlossen und damit auch unser Hauptprojekt für dieses Jahr.

Tom und Timon sind zusätzlich für eine kurze Zeit zu Keturas Haus gefahren. Dort sind die Vorbereitungen für das Dach so gut wie abgeschlossen, das bedeutet unser Job ist an dieser Stelle auch getan. Der Vater von Ketura wird in den nächsten Tagen eine Holzkonstruktion mit Blech als Dach montieren.


3. Unser letzter Arbeitstag in Torbeck

Das Problem des letzten Tages ist, dass viele Dinge, die in der bisherigen Zeit nicht geschafft wurden, erledigt werden müssen. Zum Beispiel: Interviews mit drei Lehrerinnen, Simon, Avril und den Jungs; letzter Geldumtausch bei "Eno"; Abschlussbilder mit der Drohne; Abrechnung und so weiter...

Ein besonderes Ereignis war, dass wir Briefe unserer Partnergrundschule in Köln (Franziskusschule) an die Schüler:innen übergeben haben, die sofort geöffnet und gelesen wurden. 


Jeden Morgen liest Roland die Losungen vor. Heute war der dritte Text ein Gebet, das viele unserer Erlebnisse der letzten zwei Wochen zusammenfasste:

Herr, warum fürchte ich mich, in die Welt um mich her verwickelt zu werden? 
Natürlich kenne ich die Antwort auf diese Frage: 
Weil ich nicht konfrontiert werden will mit den Bitten so vieler Menschen, die auf meine Hilfe angewiesen sind. 
Da sind die Armen, die mein Geld brauchen, die Bekümmerten, denen mein Trost hilft, die Einsamen, die meine Zeit fordern. 
Herr, schenke mir die Kraft, auf die Nöte der anderen einzugehen, dass ich gebe, was ich nur kann, sei es meine Hilfe oder meine Zeit.

 Frank Topping/Gerhard Timmer


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