Sonntag, 10. Oktober 2021

Ein ganz normaler Schultag


Gestern (also Freitag) war wieder mal ein Tag des Rumfahrens! Auf der Baustelle gingen die Arbeiten weiter voran, an beiden Fundamenten wurden im Laufe des Tages dutzende Stützen betoniert. Außerdem wurde weiter fleißig das Eisen für die Betondecke am Waisenhaus gerödelt und die Arbeiter sind gestern Abend damit fertig geworden! Das heißt, heute wird die Decke betoniert! Simon sagt, wir brauchen dafür einen halben Tag, wir sind gespannt, wie das alles so klappt.



Parallel dazu fand in der Schule der ganz normale Schulalltag statt, soweit das eben möglich ist, wenn der Betonmischer nebenan läuft, auf der anderen Seite der Generator vor sich hin brummt, plötzlich Pasteur Roland im Klassenraum steht und Quatsch macht oder Sarah mit ihrer dicken Kamera auftaucht. Die Ablenkungen lassen sich im Moment nicht so richtig vermeiden. Die Zweitklässler scheinen den Trubel zu genießen und haben ihren Spaß dabei. Die Erstklässler dagegen sind noch nicht so richtig in der großen Schule angekommen und meist ist ein Weinen von irgendwem zu hören.

Nach einem leckeren Mittagessen in der Schule sind wir dann in Simons Auto gekrabbelt und haben zunächst ein Projekt in der Gegend besucht. Eine haitianische Organisation, die es nun schon seit fast 30 Jahren gibt und die von Amerikanern unterstützt wird. Sie betreiben eine Schule, ein Waisenhaus und eine kleine Notfallstation und leisten tolle Arbeit!



Wieder einmal mussten wir eine Versorgungsfahrt nach Les Cayes unternehmen und haben die Gelegenheit auch dazu genutzt mit der Drohne noch einige Luftaufnahmen zu machen. Erschreckend war der Anblick von Sacre Coer, einer großen Kirche von der nur noch ein stark beschädigter Turm übrig geblieben ist.  



Freitag, 8. Oktober 2021

Schulalltag trifft Baustelle

 


Heute Morgen waren wir schon vor dem Frühstück auf der Baustelle, um in aller Ruhe das Fundament für die Klassenräume zu vermessen. Robert und Roland sind vor Arbeitsbeginn eine Stunde mit dem Laser Nivelliergerät durch die Gegend gelaufen und haben jede Ecke ausgemessen, damit das Fundament waagerecht wird.


Währenddessen sind die ersten Kinder von ihren Eltern zur Schule gebracht worden. Ein gar nicht so leichtes Unterfangen mit Rucksäcken, die größer sind als man selbst. Dann werden die Hefte den Lehrerinnen übergeben, die Straßenschuhe werden gegen Hausschuhe ausgewechselt und sorgfältig ins Regal geräumt. Um 8 Uhr geht es dann richtig los. Für uns etwas ungewöhnlich beginnt die Schule stets mit einem so genannten Fahnenappell. Die Nationalhymne wird gesungen, während die haitianische Flagge gehisst wird. Anschließend bekommen alle Kinder ein kleines Frühstück und danach beginnt der eigentliche Unterricht.



Heute Nachmittag waren wir dann in einem Krankenhaus in Port Salut, weil uns noch eine wichtige Unterschrift für den Abschluss des Medikamententransports fehlte. Die Medikamente kommen voraussichtlich am 16.10. in Port au Prince an.



Donnerstag, 7. Oktober 2021

Ein nicht ganz gewöhnlicher Arbeitstag in Torbeck

 


Haiti zeigte sich heute Morgen von seiner besten Seite: strahlend blauer Himmel und den ganzen Tag Sonne, während in Kempen der Herbst seinen Einzug nimmt. Leider gab es am Vormittag leichte Lieferschwierigkeiten bei Sand und Steine zum Verfüllen der Fundamente. Als wir unsere Freunde fragten, sagten sie, es läge an den starken Regenfällen, deshalb könne man die Steine nicht aus den Flussläufen bekommen.



Aber am frühen Nachmittag kam ein Truck nach dem nächsten, die das ersehnte Material herbeifuhren. So konnte die Arbeit an den Fundamenten der drei Klassenräume und der großen Toilettenanlage einen weiteren Schritt vorangebracht werden. Im Waisenhaus wird die Verschalung für die Betondecke angebracht.

In den fertigen Klassenräumen war ein ständiges Gewusel von Milca und den Lehrerinnen Miriel, Nadesh und Legoti zu vernehmen, weil am Donnerstag die Schule beginnt.

„Wo ist die Kokosnuss, wo ist Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss geklaut!“ Marcel, unser Security-Man, warf aus schwindelerregender Höhe Kokosnüsse herunter – die gleich viele Abnehmer fanden.

Abends hatten wir noch ein interessantes Gespräch mit dem ehemaligen Bürgermeister von Torbeck.



Mittwoch, 6. Oktober 2021

Eine Fahrt durch Les Cayes



Heute lief unser Tag erneut etwas anders ab als die ersten Tage auf der Baustelle. Wir sind ein wenig verspätet auf dem Terrain angekommen, doch dann ging die Arbeit schnell los. Auf allen drei Baustellen wurde fleißig gearbeitet: Das Fundament der Klassenräume, das Fundament für das Toilettenhaus und die Betondecke vom Waisenhaus. Viel Beton wurde für die Fundamente angemischt und eine kleine Gruppe von Arbeiten hat weiter an der Verschalung der Decke gearbeitet.



Nachdem die Arbeit angelaufen war, sind wir erneut mit einer langen To-do Liste nach Les Cayes gefahren. Folgendes stand an: Sand und Steine bestellen in einem großen Baustoffhandel, am Flughafen Detailinformationen für unsere Rückreise einholen, in der Bank Informationen über Mitarbeiterkonten einholen, für ein  Krankenhaus einen Medikamententransport organisieren. 




Bei unseren Fahrten kreuz und quer durch die Stadt kamen wir immer wieder an zerstörten Häusern vorbei und sahen Menschen, die alles verloren haben und ihr Leben in Zelten fristen. Die Zelte stehen teilweise auf offener Straße, einige Familien haben sie auf dem aufgeweichten Rasen des Fußballstadions errichtet. Kurz nach dem Erdbeben haben wir über Simon eine Spendenaktion gestartet, die wir jetzt nach der Besichtigung weiter fortführen wollen, um dort Lebensmittel verteilen zu können.




Dienstag, 5. Oktober 2021

Einschulung im Regen

Wir mussten doch keine Pause einlegen! Der Regen ist kurz nach unserem Post endlich weniger geworden. Die Arbeiter haben ein wenig später als sonst angefangen zu arbeiten, aber dann hat sich das Wetter größtenteils gehalten. Während sie also losgelegt haben, sind die ersten Kinder mit ihren Eltern an der Schule für den Gottesdienst angekommen. Die Lehrerinnen, die Eltern und natürlich die Kinder waren alle sehr aufgeregt und haben sehnsüchtig darauf gewartet, dass es endlich los ging.

Und es lief so, wie es hier gerne mal läuft. Der Gottesdienst sollte um 9 Uhr beginnen, irgendwann hatten wir 9:52 Uhr und von dem katholischen Priester war weit und breit nichts zu sehen. Doch natürlich kam er irgendwann (inklusive Chor) und hat das kommende Schuljahr eingeleitet. Danach ging es auf der Baustelle weiter mit dem Betonieren des Fundaments. 


Gegen Mittag sind wir dann nach Les Cayes gefahren. Wir hatten einen Termin mit der Bürgermeisterin, Frau Marie Michelle Sylvie. Sie berichtete uns eindrücklich von der momentanen Situation in Les Cayes und davon, dass sieben Wochen nach dem Erdbeben noch keinerlei Hilfe von Seiten der Regierung erfolgte. Bei einer Rundreise durch die Stadt mit dem Bildungsminister wurde ihr offensichtlich, dass ein Großteil der Schulen nicht in der Lage ist, den Betrieb wieder aufzunehmen. 


Ein weiteres großes Problem (nicht nur in Les Cayes, sondern in ganz Haiti) ist die Müllentsorgung. In Les Cayes, als drittgrößte Stadt Haitis mit circa 150.000 Einwohnern, gibt es nur 2 Müllentsorgungswagen.  

Auf dem Rückweg durch die Stadt haben wir einen Eindruck von dem verheerenden Ausmaß des Erdbebens bekommen. 





Montag, 4. Oktober 2021

Ein regnerischer Morgen

Montagmorgen - 7:30 Uhr 

Seit einigen Stunden regnet es in Strömen!! Roland und Simon waren gerade kurz vor dem Frühstück auf der Baustelle, glücklicherweise sind die Gräben der Toilette noch so wie vorher. Wir hatten Sorge, dass sie zugeschüttet sind. Wenn das Wetter so bleibt, können wir heute leider nicht arbeiten. Heute soll jedoch auch die Einschulung stattfinden und wir haben einen Termin bei der Bürgermeisterin von Les Cayes. Das werden wir trotzdem machen können.

Ein besonderer Sonntag

Heute Nacht hatten wir alle vier endlich ein Moskitonetz, Josue und Robert haben bereits Mückenstiche wie Sommersprossen, doch damit ist jetzt Schluss! In der Nacht hat es stark gewittert und leider hat es auch heute Morgen noch geregnet. Trotzdem haben wir unseren Plan eingehalten und waren um 7 Uhr auf der Baustelle.

Wir sind zunächst dem Regen aus dem Weg gegangen und haben die geplante Andacht nicht draußen, sondern in einem der Klassenräume gefeiert. Merites (ein Vorarbeiter aus Liancourt) hat auf Grund seines musikalischen Talents für Gänsehautmomente gesorgt. Pasteur Roland verteilte Salz und wies damit auf die Bibelstelle aus der Bergpredigt "Ihr seid das Salz der Erde" hin.


Danach ging es an die Arbeit! Die Gräben für das Toilettenhaus wurden ausgehoben und einige Arbeiter haben am Waisenhaus Vorbereitungen für die Betondecke getroffen. Wie lange wir heute arbeiten würden, hing jedoch von dem Fundament der Klassenräume ab. Unser Ziel war es, alle Stützen einzubetonieren. Und natürlich haben wir das auch geschafft! Zwei Stunden später als geplant, aber die Stützen stehen!

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Port Salut, um dort am Karibik Strand für kurze Zeit das Wochenende zu genießen! Außerdem möchten wir dort den haitianischen Ansprechpartner der Haitihilfe Heinz Kühn (https://haitihilfe.org/) treffen, die in Port Salut großartige Arbeit leisten und hunderten von Kindern über Patenschaften den Schulbesuch ermöglichen.