Dienstag, 3. April 2018

Bank ohne Geld

Die Streifenfundamente sind geschafft. Endlich kein Regen mehr! 

Aber natürlich ging es auch heute nicht ohne kleine Widrigkeiten vonstatten. Unser Pickup, beladen mit 25 Säcken Zement, hatte eine Reifenpanne. Kein Problem für Simon. Kurzer Anruf und wenige Minuten(!) später war ein Ersatz zur Stelle. Zement fix umgeladen. Kein Problem bei 42,5 Kg pro Stück! Problem gelöst? Zunächst ja, wenn da nicht der Ersatz-Pickup 300 Meter vor der Baustelle ohne einen Tropfen Benzin stehengeblieben wäre. Also war noch ein Fußmarsch zur nächsten Tankstelle in zwei Kilometer Entfernung vonnöten. Auch dies „pas de Problem“ bei strahlender Mittagshitze ;-)

Nächste Aktion: Geldabholen bei der Bank in Les Cayes. Auch dies kein Problem, sollte man meinen. Doch die Bank hat kein Geld! Jedenfalls keine US-Dollar (in Haiti Ersatzwährung). Erst der Besuch der nächsten Filiale führt zum gewünschten Erfolg.

Thema „Fepoutim“: Wir hatten am späten Nachmittag eine „Reunion“ (ein Treffen) mit dem Komitee der „Fondation“ für die Kinder Haitis, kurz: Fepoutim. Die Fondation, in Deutschland einem Verein vergleichbar, wurde auf unsere Anregung hin und mit unserer Unterstützung gegründet, um dem Projekt in Haiti ein rechtliches Fundament zu geben. Nach einem konstruktiven Austausch mit den Komiteemitgliedern sorgten die in Deutschland gedruckten T-Shirts mit dem Fepoutim-Logo für große Freude.

Breaking News von dem erwarteten Container: wir hoffen nun, ihn am Donnerstag abholen zu können
Abgerundet wurde der Tag durch den Blick in den überwältigenden karibischen Sternenhimmel!

Montag, 2. April 2018

Frohe Ostern! Joyeuses Paques!

Ostern in Haiti begann für uns am österlich gedeckten Frühstückstisch. Die Tischdecke und die bunten Plastikostereier haben wir mitgebracht. Plastik deshalb, weil die Schokoladeneier sich im letzten Jahr nicht bewährt haben... Bei den hiesigen Temperaturen waren die Schokoladeneier geschmolzen.
Zum Frühstück wurde uns eine haitianische Spezialität serviert, eine „Soupe Joumou“. Eine Suppe, die hier nur einmal im Jahr in ganz Haiti gegessen wird, nämlich am 1. Januar zum Unabhängigkeitstag.
Anschließend ging es zur Kirche wie in jedem Jahr. Im letzten Jahr fand der Gottesdienst noch notgedrungen unter freiem Himmel statt, nachdem der Hurrikan Matthew das komplette riesige Kirchendach - eine imposante Holzkonstruktion - weggefegt hatte. Durch Spenden der Haitianer vor Ort und aus dem Ausland ist es gelungen das Dach wieder herzustellen. Es ist immer wieder ein Gänsehautgefühl dem wunderbaren, von Herzen kommenden geistlichen Gesängen zuzuhören und Teil dieses Ostergottesdienstes sein zu dürfen. In diesem Jahr haben wir uns mit unserem Kanon eingebracht (siehe Blogbeitrag) und hierfür Applaus geerntet.

Der Ostersonntag hat seinen schönen Ausklang am Strand von Port Salut gefunden. Dort sind wir einer Rara-Gruppe begegnet. Das Rarafest ist ein Mix aus Karneval und Religion und findet seinen Ursprung in der Zeit der Versklavung und geht auf Überlieferungen aus West- und Zentralafrika zurück.
Abgerundet wurde der Tag durch einen herrlichen Sonnenuntergang über der karibischen See.















Sonntag, 1. April 2018

Der Blick nach oben...

Weiter ging es heute feucht fröhlich, den Blick nach oben gerichtet, in ständiger Erwartung der nächsten Regendusche. Das Fundament für die drei Klassenräume ist nun soweit, dass die Eisenbewehrung eingebracht und weitgehend betoniert ist. Dafür waren ca. 10 Kubikmeter Betonmischung mit unserem „Malaxeur“ anzurühren und per Eimerketten zu transportieren. Morgen ist Ostersonntag, Montag geht die Arbeit weiter.
Für Aufregung sorgte die zunehmend anschwellende rechte Hand von Dustin. Vermutlich handelte es sich um den Stich einer „Gab“, wie die Haitianer, die hier beheimatete Wespenart, nennen. Die kundige Massage durch einen haitianischen Arbeiters verschaffte erste Linderung. Der später durch Bathelmie angelegte Verband mit Kräuterblättern wirkte Wunder.
Bemerkenswert war die dreistündige „Shoppingtour" von Nikolai. „Wir waren in zehn Geschäften. Den zwei Zoll Rohrbogen haben wir nicht gekriegt.“ Dies als Beispiel für die zuweilen sehr mühsame Materialbeschaffung.
Abendprogramm: Soeben haben wir beim gemeinsamen Abendessen unseren Kanon für morgen geübt. Wir wollen uns in den Ostergottesdienst mit „Vom Aufgang der Sonne ...“ einbringen.
Für heute Augen zu und „bonne nuit“.










Samstag, 31. März 2018

Schlammschlacht

Das Röhren des nagelneuen Betonmischers noch im Ohr. Er hat seine Feuertaufe bestanden.
Heute Morgen standen wir noch vor einem Dilemma. Einerseits ließ das Wetter endlich weiteres Arbeiten zu, andererseits hatten wir den Feiertag mit der Teilnahme an einer Prozession verplant. Wir haben uns dann nach reiflicher Überlegung im Interesse des Projektes für den Fortgang der Arbeiten entschieden. Drei Wochen sind eine kurze Zeit! 

Also ging es zur Schlammschlacht auf die Baustelle. Im Nu klebt der nasse Lehm an den Schuhen und verleiht ihnen Plateausohlen. Der Boden war durch den andauernden Regen so aufgeweicht, dass sogar der Truck, der uns beliefert, im Schlamm steckenblieb und mit Muskelkraft befreit werden musste. Dank des Betonmischers und der Motivation der Haitianer und unserer Jungs ging die Arbeit zügig voran.
Nun sitzen wir wieder mit unseren haitianischen Freunden an der „Abendtafel“ und freuen uns darauf morgen wieder zupacken zu können. Denn dann wird wieder in die Hände gespuckt ...










Freitag, 30. März 2018

Armes zauberhaftes Haiti

Die Armut in dem „ärmsten Land der westlichen Hemisphäre“ ist für uns jeden Augenblick sichtbar. Unübersehbar ist aber auch die Schönheit des Landes und die Freundlichkeit der Menschen, die uns täglich berühren! Deshalb haben wir heute ein paar Bilder zusammengestellt, die denen, die nicht die Möglichkeit haben uns zu begleiten, diese zauberhaften Eindrücke näher zu bringen.

Haiti-Süd ist ein Landesteil voller üppiger Vegitation, vom Reis über Mangobäume und Palmen bis hin zu Bananenstauden und vielem mehr. Im Hintergrund sehen wir die bis zu 2.000 Meter hohen Berge, vor uns karibischen Strand. Die Menschen, so materiell arm sie sind, geben sich selbstbewusst und uns gegenüber immer freundlich. Sie strahlen, ohne dies romantisieren zu wollen, fröhliche Lebensfreude aus, von der wir hoffen, eine gehörige Portion in unserem Herzen mitnehmen zu dürfen.

Nachdem wir für heute durch die nächtliche Sintflut arbeitstechnisch weitgehend „ausgebremst“ wurden, wird es morgen mit neuer Kraft weitergehen (wegen des Feiertages allerdings nur bis 12 Uhr). Unsere Follower dürfen sich auf Fotos des heute erworbenen Malaxeurs (Betonmischers) freuen. Diesen konnten wir durch die finanzielle Unterstützung der Stadtwerke Kempen kaufen. Die Fertigstellung der Fundamente der drei Klassenräume wird dadurch deutlich beschleunigt werden.
A demain!












Donnerstag, 29. März 2018

Fotonachtrag







Die Spitzhacke kreißt und gebiert Streifenfundamente

Nun sitzen wir hier, es ist 22.00 Uhr. Nach stundenlanger Betätigung mit unseren Freunden, den Schaufeln und den Spitzhacken, ist das Fundament für drei Klassenräume für die Verfüllung mit Beton bereit und wir sind "fertig". 
Es war ein erfüllter Tag. Er hat einen schönen Ausklang gefunden bei Romain Avril. Seine Frau hatte uns - mittlerweile schon traditionsgemäß - eingeladen und mit einem fulminanten Essen in ihrem bescheidenen Haus verwöhnt. Die abschließende Dusche in Form eines Regengusses, der nach wie vor anhält, war dann das i-Tüpfelchen :-)
Damit Schluss und hundemüde ab ins Bett! 


P.S.: Die Fotos folgen morgen, das schlechte Internet lässt kein Hochladen zu...